Was sind Zwangsstörungen?
Die Zwangsstörung (Zwangserkrankung) ist eine häufige psychische Störung. Die Betroffenen spüren immer wieder den Zwang, bestimmte Handlungen auszuführen oder leiden an aufdringlichen Gedanken. Unterschieden werden dabei Zwangshandlungen, Zwangsgedanken oder Zwangsimpulse. Sie werden von den Patienten selbst als belastend und unsinnig empfunden, können aber nicht unterdrückt werden, auch wenn Widerstand gegen sie geleistet wird.
Symptome: Der Übergang vom "Normalen" zur Zwangsstörung ist fließend. Die Meisten kennen das Gefühl, am liebsten noch ein zweites Mal kontrollieren zu wollen, ob man das Bügeleisen auch tatsächlich ausgeschaltet hat. Bei einer Person, die an einer Zwangserkrankung leidet, wird dieses Bedürfnis jedoch zum ununterdrückbaren Zwang. Sie kann nicht anders, als wieder und wieder zu kontrollieren oder bestimmte andere Handlungen auszuführen, oder auch stereotype Gedankengänge zu verfolgen. Diese Zwänge können das gesamte Leben der Betroffenen beeinträchtigen. Obwohl diese sie selbst als unsinnig, störend und unnötig empfinden, können sie sie nicht ignorieren. (Mehr dazu im Kapitel Symptome).
Die Ursachen für die Entstehung von Zwangsstörungen sind bislang noch nicht eindeutig geklärt. Psychologische und organische Faktoren scheinen dabei zusammenzuwirken. Experten vermuten, dass unter anderem das komplizierte Zusammenspiel bestimmter Hirnbotenstoffe aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Die Diagnose Zwangsstörung wird anhand der typischen Symptome gestellt.
Als Therapie kommen in erster Linie kognitive Verhaltenstherapie, aber auch Medikamente infrage – eine Kombination der beiden Verfahren wird ebenfalls eingesetzt. Die Behandlung hilft in der Regel, die Zwangssymptome auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Ganz vertreiben lassen sie sich meist nicht.
Ein bis zwei Prozent aller Erwachsenen in Deutschland leiden unter mehr oder weniger ausgeprägten Zwangsstörungen. Schätzungen zufolge liegt die tatsächliche Anzahl der Erkrankten höher, da Betroffene meist erst dann einen Arzt aufsuchen, wenn die Zwangsstörungen den Alltag erheblich beeinträchtigen. Auch Kinder und Jugendliche können bereits unter Zwängen leiden.
Von der Zwangsstörung abzugrenzen ist die zwanghafte Persönlichkeit: Hier leiden meist weniger die Betroffenen selbst, sondern mehr die Umgebung, die die Betroffenen als pedantisch, reinlich, ordnungs- und regelverliebt empfindet. Weil die Betroffenen ihre Charakterzüge nicht als übertrieben und ihre Zwanghaftigkeit nicht als sinnlos erleben, sind sie auch meist nicht bereit, sich deswegen behandeln zu lassen.
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01.03.2010, aktualisiert am 22.06.2011
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